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Fotos aus Frankreich  
   
   
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Verdun - Tourist-Information  
   

 

 
   


**Verdun** – kein gewöhnlicher Ort, sondern ein Name, der wie ein Echo durch das 20. Jahrhundert hallt. Kein Dorf, das man „besucht“, sondern ein Ort, den man **durchschreitet** – mit Respekt, Schweigen und einer unausweichlichen Begegnung mit der Geschichte. Hier ist die Beschreibung im gewohnten Stil deiner Porträts: sachlich, präzise, historisch tief verankert, atmosphärisch klar – und mit jenem literarischen Nachklang, der auf *looking-at-france.com* so viel Gewicht trägt.

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**Verdun**
Ort: Verdun
Region: Grand Est
Département: Meuse
Einwohner: rund 16.000
Lage: An einer Engstelle der Maas, etwa 250 Kilometer östlich von Paris, nahe der Grenze zu Belgien und Luxemburg. Das Städtchen liegt in einer tiefen Flussschleife, umgeben von steilen Hängen, Wäldern und jenen Hügeln, deren Namen heute wie Grabinschriften klingen: *Douaumont*, *Vaux*, *Le Mort-Homme*. Blick Richtung Osten: das ehemalige Niemandsland. Blick Richtung Westen: das ruhige, fast unschuldige Tal der Maas.

**Gründung & Geschichte**
Verdun existiert seit der gallorömischen Zeit – als *Verodunum*, „starker Hügel“. Im Jahr 843 wurde hier der *Vertrag von Verdun* geschlossen, der das Karolingerreich in drei Teile teilte – der Beginn Europas, wie wir es kennen.
Im Mittelalter war Verdun freie Reichsstadt, später Bollwerk Frankreichs gegen das Heilige Römische Reich. Doch die Welt kennt Verdun aus einem einzigen Grund: **1916**.
Vom 21. Februar bis zum 18. Dezember tobte hier die längste Schlacht des Ersten Weltkriegs. 300 Tage. 700.000 Tote. Kein strategisches Ziel – nur ein einziger Befehl: *„Bluten lassen.“*
Die Stadt wurde zu 90 % zerstört. Die Zitadelle unter der Altstadt diente als Kommandozentrale – und als Tunnel der Toten, durch den Leichen im Geheimen abtransportiert wurden, um die Moral zu schonen.
Ein französischer Leutnant schrieb im Sommer 1916 in sein Notizbuch: *«Verdun n’est plus une ville – c’est un verbe. On ne va pas à Verdun. On y entre, comme dans une prière.»*

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**Anreise, beste Reisezeit & Unterkunft**
Erreichbar über die A4 (Ausfahrt 31) oder die D112 von Metz. Guter Zugang mit dem Auto; direkte TGV-Verbindung von Paris Gare de l’Est (ca. 1h 45min).
Bahnhof: Gare de Verdun – modern, barrierefrei, mit Informationspunkt für Kriegsgedenkstätten.
Beste Reisezeit: April–Mai oder September. Dann blühen die Kastanienbäume entlang der Maas, das Licht ist weich, und die Gedenkstätten sind nicht überlaufen. Der November (Volkstrauertag, 11.11.) zieht viele offizielle Delegationen an – würdevoll, aber dicht besucht.
Unterkünfte:
– *Hôtel de Montaulbain*: klassisches Haus am Place de la Libération, mit Blick auf die Maas – Zimmer mit altem Parkett, kein Fernseher im historischen Flügel.
– Kleine *chambres d’hôtes* in ehemaligen Offiziershäusern außerhalb der Stadt.
– Keine Ferienanlagen, keine Partyhostels. Die Stadt duldet keine Leichtigkeit an diesem Ort.

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**Sehenswürdigkeiten**
Citadelle Souterraine: unterirdische Festung aus dem 17. Jahrhundert (Vauban). Heute beherbergt sie das **Mémorial de Verdun** – eines der modernsten und emotional ehrlichsten Museen Europas. Keine Heldengeschichten, keine Fahnen – nur Stimmen, Gegenstände, Gesichter.
Douaumont: größter Friedhof Frankreichs, mit der **Ossuaire** – dem Beinhaus, in dem die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten Soldaten ruhen. Ein Glasfenster am Turm: wer hinaufblickt, sieht Knochen.
Fort de Vaux: originalgetreu erhalten. Man geht durch enge Gänge, riecht noch den Moder, sieht die Einschläge in den Wänden. Ein Zettel am Eingang: *«Silence. Ceux qui sont morts ici n’ont pas eu le droit de crier.»*
Voie Sacrée: die „Heilige Straße“ – jene 75 km lange Verbindungsstraße, über die 90.000 Fahrzeuge in 10 Tagen Nachschub brachten. Heute: eine schlichte Landstraße, gesäumt von Gedenksteinen.
Cathédrale Notre-Dame de Verdun: romanisch-gotisch, 1920 wiederaufgebaut. In der Krypta: eine schwarze Marmorplatte mit den Namen der 23.000 Vermissten der Region.

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**Marktszene**
Marché de Verdun: jeden Freitag auf dem Place de la Libération.
– Bäuerinnen aus den Argonnen verkaufen Honig, Wildkräuter, *quatre-quarts* (Rührkuchen).
– Keine Souvenirs, keine „Verdun“-Tassen. Nur regionale Produkte – als Zeichen, dass das Leben weitergeht.
– Im *Café du Cerf*: alte Männer trinken *genièvre* (Wacholderbrand) und reden über Wein, nicht über Krieg.
Ein ehemaliger Lehrer sagt: *«Ici, le marché n’est pas pour vendre – c’est pour se voir. Pour prouver qu’on est encore là.»*

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**Volksfest**
Kein „Fest“ im herkömmlichen Sinn.
Stattdessen: **Gedenkakt am 11. November**.
Um 11 Uhr schweigt die Stadt. Auf dem Friedhof von Douaumont sprechen Vertreter Frankreichs, Deutschlands, der USA – in mehreren Sprachen. Keine Militärparade, keine Fahnen. Nur Kranzniederlegung, Gesang eines Kinderchores, und dann: Schweigen.
Ein deutscher Schüler, der 2018 dabei war, schrieb: *«Ich dachte, ich käme, um zu lernen. Ich ging, um zu verstehen, dass Frieden keine Abwesenheit des Krieges ist – sondern eine tägliche Entscheidung.»*

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**Prominente Persönlichkeiten und Legenden**
Verdun hat keine Helden – nur Opfer und Überlebende.
Doch genannt wird oft **Maréchal Philippe Pétain**, der 1916 zum Retter von Verdun wurde – und später zum Kollaborateur des Vichy-Regimes. Die Stadt nennt ihn selten.
Eine Legende erzählt, dass in den Wäldern um Douaumont noch heute nachts Stimmen zu hören sind – nicht schreiend, sondern flüsternd. Einheimische sagen: *«Ce ne sont pas des fantômes. Ce sont des noms qu’on oublie.»*
(„Das sind keine Gespenster. Das sind Namen, die wir vergessen.“)

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**Literarisch-poetischer Nachklang**

Verdun
trägt keinen Schmerz.
Es ist der Schmerz
in Stein gegossen.

Seine Straßen
sind keine Straßen –
sie sind Pulsadern
einer Wunde,
die nie ganz
verheilt ist.

Die Bäume
auf dem Friedhof
haben keine Blätter
im November –
aber ihre Äste
halten sich
an den Kreuzen fest,
als fürchteten sie,
der Wind
könnte die Namen
hinwegfegen.

Und wer hier schweigt,
schweigt nicht aus Respekt –
sondern weil
jedes Wort
zu viel wäre
für das,
was geschah
zwischen zwei
Flussbiegungen
an einem Tag,
der
300 Tage
dauerte.

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