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Fotos aus Frankreich  
   
   
   
   
Flavigny-sur-Ozerain - Tourist-Information  
   

 

 
   

Flavigny-sur-Ozerain – Der Duft von Zeit und Anis

Ort: Flavigny-sur-Ozerain
Region: Bourgogne-Franche-Comté
Département: Côte-d’Or
Einwohner: rund 300
Lage: Auf einem Hügel über dem Tal der Ozerain, etwa 60 km nordwestlich von Dijon
Gründung & Geschichte: Ursprünge im 8. Jahrhundert um eine Abtei gegründet; später befestigte mittelalterliche Stadt. Bekannt durch ihre Benediktinerabtei und den Anis, der hier seit Jahrhunderten hergestellt wird.


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Es gibt Orte, die riechen, bevor man sie sieht. Flavigny-sur-Ozerain gehört zu ihnen. Schon die Straße, die sich in engen Kurven den Hügel hinaufwindet, trägt einen leichten, süß-würzigen Hauch in der Luft – Anis, Vanille, ein Hauch von Zucker. Er stammt aus der alten Benediktinerabtei, in deren Mauern noch heute die berühmten Anis de Flavigny entstehen.

Oben empfängt einen Stille, die nur der Wind unterbricht, der über die Schieferdächer streicht. Das Dorf wirkt wie aus der Zeit gefallen – schmale Gassen, Rundtore, verwitterte Schilder, aus denen das 17. Jahrhundert zu sprechen scheint. Auf dem kleinen Platz beim Brunnen stehen zwei alte Männer, die Ziegenkäse und Geschichten verkaufen. Einer sagt:
„Ici, rien ne change, sauf le ciel.“
Hier ändert sich nichts, außer dem Himmel.

Die Geschichte hat ihre Spuren tief eingegraben. Karl der Große soll hier Mönche angesiedelt haben, die das Land rodeten und Anis kultivierten. Später kamen Pilger, Händler, Soldaten – und verschwanden wieder. Nur der Duft blieb.

Markttag ist mittwochs, auf dem Platz Place des Abbés, wo Bäuerinnen aus dem Tal ihre Körbe ausbreiten: Ziegenkäse aus Époisses, Brot mit Fenchel, getrocknete Äpfel. Ein Akkordeonspieler lehnt an einer Mauer, während Kinder zwischen den Ständen herumlaufen. Der Wind trägt den Duft von Gebäck und alten Steinen, von Kaffee und Geschichten.

Flavigny ist auch ein Ort des Kinos. Hier wurde der Film Chocolat mit Juliette Binoche und Johnny Depp gedreht. Die Dorfbewohner erzählen mit einem gewissen Stolz, wie „Hollywood“ einst in ihren Gassen stand. Madame Leroy, die im Café „La Grange“ arbeitet, lächelt, wenn sie davon spricht:
„Ils étaient gentils, mais c’est nous, les vrais personnages.“
Sie waren nett, aber wir sind die echten Figuren.

Im Sommer feiert man das Fête de l’Anis, ein stilles, beinahe kontemplatives Fest, bei dem die Geschichte des Gewürzes besungen wird. Kinder singen Lieder über die Süßigkeit, die „nie vergeht, nur weicher wird“. Der Duft zieht durch das ganze Dorf – eine zarte Erinnerung daran, dass selbst die kleinste Freude die Zeit überdauern kann.

Wenn am Abend die Sonne sinkt, färben sich die Mauern bernsteinfarben. Man steht auf der Mauerkrone und blickt hinab ins Ozerain-Tal, das sich in Nebel hüllt. Unten flackert ein Licht, vielleicht eine Laterne, vielleicht nur der Nachhall der Vergangenheit.

Flavigny-sur-Ozerain ist ein Ort, der nicht laut spricht, sondern duftet. Und in diesem Duft liegt das ganze Frankreich der Erinnerung – süß, flüchtig, ewig.


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Nachklang von Flavigny

Ein Hauch von Anis im Abendlicht,
ein Dorf, das leise Geschichten spricht.
Stein und Duft, Gebet und Wind –
wo Zeit und Süße eins geworden sind.




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