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Fougères ist eine historische Stadt im Département Ille-et-Vilaine in der Region Bretagne im Nordwesten Frankreichs. Sie liegt am Fluss Nançon, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Rennes, und zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Frankreichs. Berühmt ist Fougères vor allem durch ihre imposante Burganlage, eine der größten Festungen Europas, sowie durch ihre lebendige Geschichte zwischen Bretagne, Frankreich und England.


Lage und Charakter

Fougères liegt am Übergang von der fruchtbaren Normandie zur hügeligen Bretagne. Die Altstadt schmiegt sich malerisch an die Hänge eines Tals, überragt von den mächtigen Türmen und Mauern der Burg. Die Stadt gliedert sich in zwei Bereiche: die Unterstadt, einst Sitz der Handwerker, Gerber und Schmiede, und die Oberstadt, wo sich die Kirchen, Plätze und Patrizierhäuser der Neuzeit befinden.

Der Name Fougères bedeutet „Farnkraut“ (fougère = Farn), ein Hinweis auf die üppige Vegetation der Gegend. Umgeben von Wäldern, Bächen und alten Steinmauern, ist Fougères ein typisches Beispiel bretonischer Stadtlandschaft – romantisch, rau und voller Geschichte.


Frühe Geschichte

Die Ursprünge Fougères reichen bis in das 10. Jahrhundert zurück. Die Stadt entstand an einer strategisch wichtigen Stelle an der Grenze zwischen der Bretagne und der Normandie. Bereits um 1020 wurde eine erste Burg aus Holz errichtet, um die bretonischen Lande gegen normannische Angriffe zu schützen.

Im 12. Jahrhundert entstand die erste steinerne Festung, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und befestigt wurde. Fougères wurde zum Symbol des Widerstands der Bretagne gegen die Eingliederung in das französische Königreich. Die Stadt wechselte mehrfach den Besitzer – zwischen den Herzögen der Bretagne und den Königen Frankreichs.

Im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) spielte Fougères eine bedeutende militärische Rolle. 1449 eroberten die Engländer die Stadt, wurden jedoch ein Jahr später von den Truppen des bretonischen Herzogs François II. wieder vertrieben. Dieses Ereignis markierte den Beginn der bretonischen Offensive, die zur Rückeroberung der Bretagne führte.


Die Burg von Fougères

Die Château de Fougères ist das Herz und Wahrzeichen der Stadt. Ihre Ursprünge liegen im 11. Jahrhundert; die heutige Anlage stammt größtenteils aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.

Mit ihren 13 Türmen, dem tiefen Wassergraben und einer fast zwei Hektar großen Fläche zählt sie zu den größten mittelalterlichen Burgen Europas. Die Anlage diente nicht nur als militärische Festung, sondern auch als Zufluchtsort für die Bevölkerung während der Kriege.

Vom Wehrgang aus eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die Stadt und das Tal des Nançon. Die Burg wurde in den letzten Jahrzehnten sorgfältig restauriert und beherbergt heute ein modernes Besucherzentrum mit Multimedia-Ausstellungen, die die Geschichte der Bretagne und ihrer Unabhängigkeitskämpfe eindrucksvoll darstellen.


Blüte und Wandel

Nach dem Anschluss der Bretagne an Frankreich (1532) verlor Fougères seine militärische Bedeutung, entwickelte sich aber im 17. und 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum der Tuch- und Schuhindustrie. Die vielen Bäche und Flüsse lieferten das nötige Wasser für Färbereien und Gerbereien.

Im 19. Jahrhundert war Fougères ein bedeutendes Zentrum der Arbeiterbewegung. Die Stadt wurde zum Schauplatz sozialer Kämpfe und Streiks – vor allem in der Schuhproduktion, die damals Tausende von Arbeitern beschäftigte. Diese industrielle Vergangenheit prägt bis heute das Selbstverständnis der Stadt: arbeitsam, stolz, widerständig.

Ein markantes Zeugnis dieser Epoche ist das Musée Emmanuel-de-la-Villéon, benannt nach einem impressionistischen Maler aus Fougères, der das Leben der einfachen Menschen und die bretonische Landschaft in leuchtenden Farben festhielt.


Stadtbild und Sehenswürdigkeiten

Fougères ist ein wahres Freilichtmuseum mittelalterlicher Architektur. Die schmalen Gassen der Unterstadt, die Fachwerkhäuser, die Steinbrücken und die Kirchen vermitteln eine Atmosphäre vergangener Jahrhunderte.

  • Église Saint-Sulpice: Eine romanisch-gotische Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit wunderschönen Glasfenstern. Sie steht in der Unterstadt, nahe der Burg, und war das spirituelle Zentrum der Handwerker.

  • Église Saint-Léonard: Auf dem Hügel in der Oberstadt gelegen, bietet sie von ihrer Terrasse einen beeindruckenden Blick über die Festung und das Tal.

  • Place du Marchix: Ein malerischer Platz mit Cafés, alten Brunnen und Märkten – das Herz der Altstadt.

  • Jardin Public: Ein gepflegter Stadtpark mit Blick auf die Burg, besonders schön im Frühling und Sommer, wenn Farn und Hortensien blühen.

Auch die alten Stadtmauern und Türme sind größtenteils erhalten und können auf einem Rundweg besichtigt werden. Besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang am Abend, wenn die Burg beleuchtet ist und das Licht über die alten Steine tanzt.


Kultur und Leben

Fougères ist heute eine Stadt mit rund 20.000 Einwohnern, die stolz auf ihre Geschichte ist und zugleich eine lebendige Kulturszene pflegt. Jedes Jahr finden Festivals, Konzerte und Mittelaltermärkte statt, die Besucher aus ganz Frankreich anziehen.

Das Festival Anjou-Bretagne, das die Geschichte und Musik der Region feiert, und das Festival des Vieilles Charrues in der Nähe gehören zu den kulturellen Höhepunkten des Sommers.

In den kleinen Straßen haben sich Kunsthandwerker, Keramiker, Buchbinder und Schmiede angesiedelt, die die alten Traditionen mit moderner Kreativität verbinden.


Natur und Umgebung

Rund um Fougères erstreckt sich eine sanfte Hügellandschaft mit Wäldern, Weiden und alten Bauernhöfen. Der Forêt de Fougères, ein großes Waldgebiet nördlich der Stadt, lädt zu Wanderungen und Radtouren ein. Besonders im Herbst ist der Farn, nach dem die Stadt benannt ist, hier allgegenwärtig.

Die Nähe zum Mont Saint-Michel (etwa 50 km entfernt) macht Fougères zudem zu einem beliebten Zwischenstopp auf dem Weg zu einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Frankreichs.


Fazit

Fougères ist ein Ort, an dem sich die Geschichte der Bretagne wie in einem steinernen Buch lesen lässt – von den mittelalterlichen Herzögen über die Kriege mit Frankreich bis zur industriellen Revolution. Die gewaltige Burg, die engen Gassen und das Licht, das auf die grauen Granitmauern fällt, verleihen der Stadt einen ganz eigenen Zauber.

Heute verbindet Fougères sein reiches Erbe mit einem modernen, offenen Lebensgefühl. Wer durch die Straßen der Unterstadt spaziert, den Duft von Farn und feuchtem Stein in der Luft spürt und den Glocken von Saint-Léonard lauscht, versteht, warum dieser Ort über Jahrhunderte Menschen fasziniert hat: Er ist ein Stück lebendige Bretagne, fest verwurzelt in ihrer Geschichte, stolz und unverwechselbar.

 

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